Kapitel 4 / 10 · 6. Jahrhundert v. Chr.
Illustrative Rekonstruktion, keine Vermessung. Lagen und Größen sind ungefähr, sofern eine Maßangabe nicht ihre Quelle nennt.
Ein Doppeltor aus gebranntem Backstein, mit Reihen von Stieren und Drachen, einer im Lauf der Zeit erhöhten Straße und glasierten Reihen oben.
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Szene 1 / 8 · 6. Jahrhundert v. Chr.
Das Tor am Ende der Straße
Das Ischtar-Tor führte durch die Doppelmauer in die Innenstadt. Seine Mauern standen noch 12 Meter hoch.
Erklärung
Das Ischtar-Tor war der nördliche Eingang der Innenstadt, am Ende der Prozessionsstraße. Inschriften nennen es als zu beiden großen Mauern gehörig, Imgur-Bel und Nimitti-Bel, heute Imgur-Enlil und Nemetti-Enlil gelesen.
Als die Ausgräber es freilegten, standen seine Mauern noch 12 Meter hoch, bedeckt mit Ziegelreliefs. Koldewey nannte es die größte und eindrucksvollste Ruine Babylons.
Quellen: R. Koldewey, trans. A. S. Johns, The Excavations at Babylon, 1914, The Ishtar Gate Geprüft
Sprechtext
Am Ende der Prozessionsstraße steht das Ischtar-Tor. Es führte durch die Doppelmauer in die Innenstadt. Als die Ausgräber es fanden, standen seine Mauern noch zwölf Meter hoch, bedeckt mit Backsteinreliefs. Koldewey nannte es die größte und eindrucksvollste Ruine Babylons.
Szene 2 / 8 · 6. Jahrhundert v. Chr.
Ein Doppeltor
Zwei Tore, eines hinter dem anderen, jedes mit zwei vorspringenden Türmen und einem Torhof.
Erklärung
Das Tor ist doppelt. Zwei dicht hintereinanderliegende Durchgänge sind zu einem Block verbunden. Jeder hat an seinem Eingang zwei weit vorspringende Türme.
Hinter jedem Eingang liegt ein Raum, der durch eine zweite Tür geschlossen wird, der Torhof genannt. Er war wahrscheinlich überdacht. Er schützte die Flügel der Doppeltür, die sich in ihn hinein öffneten.
Im Nordtor liegt die Kammer quer zum Durchgang, im Südtor verläuft sie entlang. Der Explosionsregler hebt die Tore auseinander.
Debatte
Was stand über der Torkammer?
Koldewey zeichnete zwei Möglichkeiten: einen sehr hohen Mittelturm über der Kammer oder Türme, die sie überragten. Er schreibt, dass nichts als Beleg für das eine oder das andere erhalten ist und dass der Oberbau kaum Anhaltspunkte bietet.
R. Koldewey, trans. A. S. Johns, The Excavations at Babylon, 1914, The Ishtar Gate Geprüft
Quellen: R. Koldewey, trans. A. S. Johns, The Excavations at Babylon, 1914, The Ishtar Gate Geprüft
Sprechtext
Das Ischtar-Tor besteht in Wahrheit aus zwei Toren, eines hinter dem anderen, zu einem Block verbunden. Jedes hat an seinem Eingang zwei Türme und dahinter eine Kammer, den Torhof, in dem sich die großen Türen zurückfalteten. Hier heben sich die beiden Tore auseinander, damit Sie sehen, wie sie stehen.
Szene 3 / 8 · 6. Jahrhundert v. Chr.
Drei Eingänge und bewegliche Fugen
Vier Flügel aus gebranntem Ziegel gaben dem Tor drei Durchgänge. Fugen ließen Teile auf ungleichen Fundamenten getrennt absinken.
Erklärung
Das Tor wurde nicht gerade in die Lehmziegelmauer gesetzt. Es stand zwischen vier flügelartigen Anbauten aus gebrannten Ziegeln, jeder mit einem Durchgang. So hatte das Ischtar-Tor drei Eingänge: den mittleren mit vierfachen Türen und je einen an den Seiten mit doppelten Türen.
Das Hauptgebäude hat so tiefe Fundamente, dass die Ausgräber ihren Fuß nicht erreichen konnten. Die Flügel reichen weniger tief. Damit die Mauern beim Setzen nicht rissen, ließen die Bauleute zwischen ihnen eine schmale senkrechte Lücke, in der eine Leiste in einer Nut gleitet. Koldewey vergleicht sie mit einer modernen Dehnungsfuge.
Materialien und Techniken
Materialien und Techniken
Wo die Fundamente verschieden tief sind, sind die Mauern nicht miteinander verbunden. Ein schmaler Spalt läuft von oben nach unten, und eine senkrechte Leiste an der flacher gegründeten Mauer gleitet in einer Nut der Hauptmauer, sodass sich beide setzen können, ohne sich zu neigen.
R. Koldewey, trans. A. S. Johns, The Excavations at Babylon, 1914, The Ishtar Gate Geprüft
Quellen: R. Koldewey, trans. A. S. Johns, The Excavations at Babylon, 1914, The Ishtar Gate Geprüft
Sprechtext
Um das Tor standen vier Flügel aus gebranntem Backstein, jeder mit eigener Tür. So gab es drei Wege hindurch. Die Baumeister wussten, dass Mauern auf tiefen und flachen Fundamenten sich unterschiedlich setzen. Deshalb ließen sie zwischen ihnen eine senkrechte Lücke, in der eine Feder in einer Nut gleitet. Heute nennen wir das eine Dehnungsfuge.
Szene 4 / 8 · 6. Jahrhundert v. Chr.
Backstein, Asphalt und Schilf
Ganze und halbe Ziegel in abwechselnden Schichten, Fugen aus Asphalt und Lehm und alle paar Schichten eine Schilfmatte.
Erklärung
Das Tor ist aus gebrannten Ziegeln gebaut. Ganze Ziegel von 33 mal 33 Zentimetern wechseln sich Schicht für Schicht mit halben Ziegeln von 33 mal 16,5 Zentimetern ab.
Über jeder Schicht liegt eine dünne Lage Asphalt, dann eine dünne Lage Lehm, dann die nächste Schicht. Die Fugen sind 1 bis 1,5 Zentimeter dick. In einer Mauer tritt in jeder fünften Schicht eine Matte aus gespaltenem, geschlagenem Schilf an die Stelle des Lehms.
Herodot schreibt von einer Matte alle 30 Schichten. Die Ausgräber fanden Matten alle 5 bis 13 Schichten.
Messungen
Messungen
| Ganzer Ziegel | 33 mal 33 cm R. Koldewey, trans. A. S. Johns, The Excavations at Babylon, 1914, The Kasr. The ascent and Procession Street Geprüft |
|---|---|
| Halber Ziegel | 33 mal 16.5 cm R. Koldewey, trans. A. S. Johns, The Excavations at Babylon, 1914, The Kasr. The ascent and Procession Street Geprüft |
| Fugen | 1 bis 1.5 cm, Asphalt und Lehm R. Koldewey, trans. A. S. Johns, The Excavations at Babylon, 1914, The Ishtar Gate Geprüft |
| Schilfmatten | alle 5 bis 13 Schichten R. Koldewey, trans. A. S. Johns, The Excavations at Babylon, 1914, The Ishtar Gate Geprüft |
| Eine Schicht | etwa 8.3 cm (24 Schichten auf etwa 2 m), abgeleitet R. Koldewey, trans. A. S. Johns, The Excavations at Babylon, 1914, The wall decorations of bulls and dragons Geprüft |
R. Koldewey, trans. A. S. Johns, The Excavations at Babylon, 1914, The Ishtar Gate Geprüft
Debatte
Wie oft eine Schilfmatte?
Herodot sagt, nach jeweils 30 Schichten liege eine geflochtene Matte. Koldewey hatte eine so große Zahl nicht gesehen: Sein Mindestwert war 5 und sein Höchstwert 13.
R. Koldewey, trans. A. S. Johns, The Excavations at Babylon, 1914, The Ishtar Gate Geprüft · Herodotus, Histories 1.188 to 1.191, 430 BCE, 1.179 Zu prüfen Antike Erzählung, keine Aufzeichnung
Quellen: R. Koldewey, trans. A. S. Johns, The Excavations at Babylon, 1914, The Kasr. The ascent and Procession Street Geprüft · R. Koldewey, trans. A. S. Johns, The Excavations at Babylon, 1914, The Ishtar Gate Geprüft · Herodotus, Histories 1.188 to 1.191, 430 BCE, 1.179 Zu prüfen Antike Erzählung, keine Aufzeichnung
Sprechtext
Sehen Sie sich die Mauer genau an. Ganze Ziegel, ein Drittel Meter im Quadrat, wechseln sich Schicht für Schicht mit halben Ziegeln ab. Dazwischen liegt ein dünnes Bett aus Asphalt und Lehm. Alle paar Schichten folgt eine Matte aus gespaltenem Schilf. Herodot sagt, alle dreißig Schichten. Die Ausgräber fanden sie alle fünf bis dreizehn. Die Bauinschriften nennen immer wieder Asphalt.
Szene 5 / 8 · 6. Jahrhundert v. Chr.
Reihen von Stieren und Drachen
Jede Reihe hat 24 Schichten, etwa 2 Meter. Stiere und Drachen werden nie in einer Reihe gemischt.
Erklärung
Die Mauern trugen übereinanderliegende Tierreihen: Stiere und den Drachen namens Sirrusch. Auf eine Reihe Stiere folgt eine Reihe Sirrusch. Sie werden nie in einer Reihe gemischt.
Jedes Tier ist 13 Ziegelschichten hoch, mit 11 glatten Schichten zwischen den Reihen. Eine Reihe umfasst also 24 Schichten, die fast genau 2 Meter oder 4 babylonischen Ellen entsprechen.
Neun Reihen sind im Relief sichtbar. Koldeweys Schema hat 13. Die Figuren hier sind schematische Umrisse, keine Durchzeichnungen der Reliefs.
Messungen
Messungen
| Eine Reihe | 13 Schichten mit Figuren und 11 glatte, 24 Schichten, etwa 2 m R. Koldewey, trans. A. S. Johns, The Excavations at Babylon, 1914, The wall decorations of bulls and dragons Geprüft |
|---|---|
| Im Relief sichtbare Reihen | 9 R. Koldewey, trans. A. S. Johns, The Excavations at Babylon, 1914, The wall decorations of bulls and dragons Geprüft |
| Zeilen im Schema | 13 R. Koldewey, trans. A. S. Johns, The Excavations at Babylon, 1914, The wall decorations of bulls and dragons Geprüft |
| Tiere | mindestens 575: je 40 oder mehr in jeder der 8 unteren Reihen, 51 in jeder der 5 oberen Reihen R. Koldewey, trans. A. S. Johns, The Excavations at Babylon, 1914, The wall decorations of bulls and dragons Geprüft |
Woher wir es wissen
Wessen Tiere?
Koldewey liest den Stier als heiliges Tier des Wettergottes und den Sirrusch als Tier von Marduk und Nabu. Der Name Sirrusch bedeutet laufende Schlange.
Quellen: R. Koldewey, trans. A. S. Johns, The Excavations at Babylon, 1914, The wall decorations of bulls and dragons Geprüft
Sprechtext
Die Mauern trugen Tierreihen, eine über der anderen. Eine Reihe Stiere, dann eine Reihe Drachen, nie gemischt. Jedes Tier ist dreizehn Ziegelschichten hoch, mit elf glatten Schichten zwischen den Reihen. So umfasst jede Reihe vierundzwanzig Schichten, fast genau zwei Meter. Hier bauen sich die Reihen auf, von der untersten bis zur dreizehnten.
Szene 6 / 8 · 6. Jahrhundert v. Chr.
Nie auf einmal zu sehen
Die Straße wurde immer wieder angehoben. Die unteren Reihen verschwanden darunter, während das Tor benutzt wurde.
Erklärung
Das Straßenniveau am Tor wurde mehrmals angehoben. Spuren der letzten beiden Aufhöhungen liegen zwischen den Reihen 10 und 11 sowie zwischen den Reihen 8 und 9. Ein Pflaster zwischen den Reihen 6 und 7 ist nicht eindeutig.
Als die Straße stieg, gingen die unteren Reihen unter die Oberfläche. Sie wurden sorgfältig mit Lehm verstrichen, und die achte Reihe wurde mit weißem Stuck überzogen. Unter der älteren Fahrbahn ist das Mauerwerk rau. Reihe 9 ist fein bearbeitet.
So war die ganze Schar der Tiere nie gleichzeitig sichtbar. Der Schnitt zeigt die Straßenniveaus im Verhältnis zu den Reihen.
Woher wir es wissen
Woher wir es wissen
Die Reihen unterhalb der älteren Fahrbahn zeigen verkehrte und unregelmäßige Ziegel und Asphalt, der über die Figuren läuft. Reihe 9 ist geglättet und abgeraspelt. Koldewey liest dies als Reihen, die nie lange gesehen werden sollten.
Quellen: R. Koldewey, trans. A. S. Johns, The Excavations at Babylon, 1914, The wall decorations of bulls and dragons Geprüft
Sprechtext
Die Straße am Tor wurde immer wieder angehoben. Als sie stieg, verschwanden die untersten Tierreihen darunter. Die Bauleute bestrichen sie mit Lehm, bevor sie sie auffüllten. Eine Reihe wurde sogar mit weißem Putz bedeckt. So sah niemand je alle Tiere auf einmal. Der Schnitt zeigt die Straßenniveaus im Verhältnis zu den Reihen.
Szene 7 / 8 · 6. Jahrhundert v. Chr.
Glasur und Farbe
Die oberen Reihen waren glasiert: flache Emaille in den Reihen 10 und 11, emailliertes Relief in den Reihen 12 und 13.
Erklärung
Die Reihen 1 bis 9 sind Ziegelrelief ohne Glasur. Die Reihen 10 und 11 sind in flacher Emaille. Die Reihen 12 und 13 sind in emailliertem Relief, der feinsten Technik.
Nebukadnezars eigene Inschrift beschreibt das Tor als fein mit gebrannten Ziegeln aus blauer Glasur besetzt, auf denen Wildstiere und Drachen abgebildet waren.
Die Zeichnung zeigt die glasierten Reihen in Tönen: ein grauer Grund, Stiere in Rot und Drachen in Weiß. In der Rekonstruktion in Berlin ist der Grund blau, mit gelben und weißen Figuren. Dieser Farbschlüssel ist noch an der Rekonstruktion des Museums zu überprüfen.
Materialien und Techniken
Materialien und Techniken
Bruchstücke der glasierten Reihen wurden nach Berlin gebracht. Dort wurden sie lange gewässert, um die auf ihnen auskristallisierten Salze herauszulösen, bevor sie untersucht und zusammengesetzt werden konnten.
Quellen: R. Koldewey, trans. A. S. Johns, The Excavations at Babylon, 1914, The wall decorations of bulls and dragons Geprüft · trans. F. Delitzsch, quoted in Koldewey 1914, The Steinplatten inscription of Nebuchadnezzar II, cols. 5 and 6, 1914, cols. 5 and 6 Sekundärquelle · J. Marzahn, The Ishtar Gate, the Processional Way, the New Year Festival of Babylon, 1992 Zu prüfen
Sprechtext
Die obersten Reihen waren glasiert. Zwei Reihen in flacher Emaille, dann zwei in glasiertem Relief. Nebukadnezars Inschrift spricht von Ziegeln aus blauer Emaille, auf denen wilde Rinder und Drachen abgebildet sind. Die Zeichnung zeigt sie in Tönen. In der Berliner Rekonstruktion ist der Grund blau, die Figuren gelb und weiß.
Szene 8 / 8 · 6. Jahrhundert v. Chr.
Zeder, Kupfer und Bronze
Zedernbalken für die Decke, mit Kupfer beschlagene Zedernholztüren und Bronzestiere und -drachen an den Schwellen.
Erklärung
Nebukadnezars Inschrift listet die Ausstattung des Tores auf: mächtige Zedern, der Länge nach für die Decke gelegt, mit Kupfer überzogene Türflügel aus Zeder, Schwellen und Angeln aus Bronze.
Sie besagt auch, dass an den Schwellen Wildstiere und Drachen aus Bronze standen. Die Ausgräber fanden vor dem Tor und in seinen Höfen kleine Sockel, auf denen solche Figuren gestanden haben könnten.
Das Vordertor wurde später in Berlin aus ausgegrabenen Ziegeln wiederaufgebaut. Sein dortiger Zustand ist noch am Eintrag des Museums zu überprüfen.
Quellen: trans. F. Delitzsch, quoted in Koldewey 1914, The Steinplatten inscription of Nebuchadnezzar II, cols. 5 and 6, 1914, cols. 5 and 6 Sekundärquelle · R. Koldewey, trans. A. S. Johns, The Excavations at Babylon, 1914, The Ishtar Gate Geprüft · J. Marzahn, The Ishtar Gate, the Processional Way, the New Year Festival of Babylon, 1992 Zu prüfen
Sprechtext
Die eigene Inschrift des Tors zählt seine Ausstattung auf. Zedernbalken für die Decke. Türen aus Zedernholz, mit Kupfer überzogen. Schwellen und Angeln aus Bronze. Und an den Schwellen bronzene Stiere und Drachen. Die Ausgräber fanden vor dem Tor kleine Sockel, auf denen sie gestanden haben könnten.
Quellen
- I. Finkel (ed.), The Cyrus Cylinder: The King of Persia’s Proclamation from Ancient Babylon, 2013 Zu prüfen
- The British Museum, The Cyrus Cylinder, museum number 1880,0617.1941 (BM 90920), collection record, 2026 Zu prüfen
- P. Briant, trans. P. T. Daniels, From Cyrus to Alexander: A History of the Persian Empire, 2002 Zu prüfen
- D. Stronach, Pasargadae: A Report on the Excavations Conducted by the British Institute of Persian Studies from 1961 to 1963, 1978 Zu prüfen
- R. Koldewey, trans. A. S. Johns, The Excavations at Babylon, 1914 Geprüft
- Herodotus, Histories 1.188 to 1.191, 430 BCE Zu prüfen Antike Erzählung, keine Aufzeichnung
- trans. F. Delitzsch, quoted in Koldewey 1914, The Steinplatten inscription of Nebuchadnezzar II, cols. 5 and 6, 1914 Sekundärquelle
- J. Marzahn, The Ishtar Gate, the Processional Way, the New Year Festival of Babylon, 1992 Zu prüfen